Archiv für den Monat: November 2013

“GoFind” – Objektsuche als Beschäftigungsform

“GoFind” heisst übersetzt soviel wie: Gehe los und finde etwas.
Was der Hund finden soll wird vorher trainiert und benannt.  Diese Art der Arbeit nennt man „Anzeigen“. Das Anzeigen wird bei Polizei-, Jagd-, Rettungs-, Schimmelpilzspürhunden, Diabetikerwarnhunde u.v.w. benötigt, um dem Hundehalter darauf hinzuweisen, dass das Gewünschte gefunden wurde. Wie der Hund den zu suchenden Gegenstand anzeigen soll, kann grundsätzlich unterschiedlich sein. Jagdhunde können z. B. ein s.g. „Bringsel verweisen“. Ein Stück Leder welches sich am Halsband des Hundes befindet, muss ins Maul genommen werden, als Zeichen dafür, dass der Hund fündig geworden ist. Danach führt der Hund seinen Halter zur Fundstelle. Rettungshunde zeigen z. B. durch Bellen an, dass sie eine verletzte Person gefunden haben. Der Schimmelpilzspürhund kann durch Kratzen an einer bestimmte Stelle anzeigen, dass er in einem Zimmer an einer bestimmten Stelle  Schimmelpilzbefall entdeckt hat. Bei den Polizeihunden, voranging Sprengstoffsuchhunde, kann eine Anzeige durch Hinsetzen oder Hinlegen erfolgen. Beim GoFind lernen die Hunde durch Hinlegen und Berührung des Gegenstandes mit der Nase den zu suchenden Gegenstand anzuzeigen.

Schritt 1)
Der Beginn des Trainings sieht so aus, dass zunächst das Berühren des ausgewählten Gegenstandes; z. B. eine Münze, belohnt wird. Berührt der Hund die Münze zuverlässig mit der Nase, wird das Verhalten, bzw. der Gegenstand, benannt. Jetzt soll der Hund die Nase immer länger am Gegenstand halten. Als nächstes wird das Verhalten in der Ablage („Platz“) trainiert.
Unsere Hunde haben nun gelernt, einen zuvor konditionierten Gegenstand (z. B. eine bestimmte Münze), ruhig und im “Platz” durch berühren mit der Nase anzuzeigen.
Die Bestätigung erfolgte immer durch den “Clicker” oder Ersatzweise mit einem Markerwort (z. B. Prima).
(Clicker Training, siehe Blog-Beitrag “Clickern”.)
Schritt 2)
Bevor wir nun den Gegenstand vertecken, müssen wir dem Hund zunächst beibringen, dass er den Gegenstand auch anzeigen soll, wenn wir ihn nicht direkt in der Hand halten.
Also: Hand abbauen + Distanz aufbauen. Gerade die Hunde, mit denen vorher Apportiertraining gemacht wurde, neigen dazu, den Gegenstand nicht mehr anzuzeigen, sondern ihn apportieren zu wollen. Sie kratzen daran rum und versuchen ihn in die Schnauze zu bekommen.
Daher lege ich zunächst den Gegenstand unter etwas schweres, damit der Hund es nicht verschieben kann. Ihm bleibt also nichts anderes übrig, als sich abzulegen. Alle anderen Verhaltensweisen werden von uns ignoriert und durch ausprobieren wird er irgendwann das gewünschte Verhalten zeigen.
Anfangs kann ich die Hand noch am “Beschwerer” halten. Diese wird dann aber von mal zu mal weiter weggehalten. Wenn ich anfangs in der Hocke war, muss ich das ganze nun im Stehen trainieren. Ich entferne mich also Stück für Stück, bis der Hund zielstrebig zum “Versteck” geht und eine sichere Anzeige macht.
Nach einigen Wiederholungen laufen die Hunde nun bereits zielstrebig zum Gegenstand und legen sich zügig davor ab. Irgendwann sollen die Hunde aber auf einer größeren Fläche den versteckten Gegenstand suchen und solange dort liegenbleiben, bis Herrchen oder Frauchen bei ihm angekommen ist.
Daher gilt es nun folgendes zu trainieren:
Schritt 3)
Zum einen werden immer mehr mögliche Verstecke angetäuscht, zum anderen soll die Dauer der Anzeige ausgeweitet werden.
Um die Dauer zu verlängern, wird der Hund immer später durch den Click bestätigt. D. h. es wird einen Moment länger gewartet, bis der bestätigende Click ertönt. Das sind anfangs eher Zehntelsekunden die zu mehreren Sekunden am Stück werden. Falls es dem jeweiligen Hund hilft, kann er durch die monotone und ruhige Stimme des Halters, z. B. durch ein “Priiiiiiiima”  ermuntert werden, weiter mit der Nase am Gegenstand zu bleiben. Manche Hunde unterbrechen dann das gewünschte Verhalten, bei denen arbeite ich ohne Stimme.
Bei einer richtigen Suche läuft der Hund unangeleint einen Raum oder eine Fläche ab. Der Halter wird also nicht immer neben dem Hund sein, wenn er den zu suchenden Gegenstand gefunden hat und anzeigt. Der Hund soll aber nicht aus der Distanz heraus bestätigt werden, sondern erst, wenn der Besitzer beim Hund eingetroffen ist. Somit kann direkt überprüft werden, ob der Hund eine korrekte Anzeige macht.
Die Dauer der Anzeige wurde bereits verlängert, aber bisher immer neben dem Hund stehend. Jetzt kommt also etwas für den Hund Neues hinzu. Sobald der Hund korrekt abliegt, bewegt sich der Halter in einem ruhigen Tempo, ohne zu schleichen, auf den Hund zu. Es wird noch nicht geclickt! Einige Hunde heben sofort den Kopf, sobald der Besitzer auf den Hund zugeht. Da der Hund aber solange mit der Nase am Gegenstand bleiben soll, bis der Mensch bei ihm ist, muss daran gearbeitet werden, dass der Hund den Kopf zukünftig nicht mehr hebt, sondern ruhig liegen bleibt. Am effektivsten ist es, einfach stehen zu bleiben und zu warten, sobald der Hund den Kopf hebt, bis wieder die korrekte Position eingenommen wird. Erst dann geht man weiter auf den Hund zu.
Was gibt es noch zu beachten, um demnächst eine richtige Suche im Wohnzimmer, im nachgebauten Trümmerfeld oder im Wald erfolgreich zu absolvieren?
Die verschiedenen Trainingsschritte wie Distanz, mehrere Versteckmöglichkeiten und Dauer der Anzeige müssen alle einzeln  sauber ausgearbeitet werden, bevor sie zusammengefügt werden. Es darf nicht vergessen werden, an unterschiedlichen Orten zu trainieren. In der Anfangszeit ist es sinnvoll, bei einem Ortswechsel die Aufgabe nicht zu schwierig zu gestalten, weil der Hund alleine durch die neue Gegend genug zu verarbeiten hat. Zudem sollte der Gegenstand auch immer wieder von anderen Personen vesteckt werden, ansonsten kann es passieren, dass der Hund einfach nur der Spur “seines” Menschen folgt, statt alle möglichen Verstecke ordentlich abzusuchen.
Viel Spaß beim Üben!

Clickern

Immer wieder wird in meinen Beiträgen vom Clickern zu lesen sein. Es gibt viele Bereiche in der es sinnvoll ist einen Clicker einzusetzen. Ob bei der Objektsuche, kurz: “GoFind”, für viele unterschiedlichen Tricks oder Beschäftigungsformen wie Agility oder Treibball Training. Sogar beim Aufbau von Grundgehorsamsübungen, kann der Clicker hilfreich sein.

Ängstliche und ungeduldige Hunde können durch “Free Shaping”, dem Ausprobieren und Herantasten an das richtige Verhalten, genannt “Versuch und Irrtum”, lernen, mehr Einsatz zu zeigen, Geduld aufzubringen und immer neue Lösungsstrategien zu entwickeln, bei für sie scheinbar unlöslichen Dingen. Auf den Alltag bezogen z. B. Angst vor anderen Hunden. Statt panisch wegzulaufen oder den anderen Hund anzukläffen, schaut euch euer Hund vielleicht demnächst einfach an, und “fragt” was zu tun ist. Außerdem werden bei einem gut trainierten “Clicker-Hund” alleine durch das Geräusch des Clickers Endorphine ausgeschüttet. Diese sind für Euphorie, also Glücksgefühle und vermindertes Schmerzempfinden verantwortlich. Was ja wohl gut ist, bei einem unsicheren bzw. ängstlichen Hund.
Für ein erfolgreiches Clicker Training ist nicht nur ein gutes Timing hilfreich, sondern auch ein bisschen Wissen über die Lerntheorie unserer Hunde. Da ist natürlich zum einen der Herr Pawlow. Er beschrieb die Klassische Konditionierung. Siehe dazu:http://de.wikipedia.org/wiki/Pawlowscher_Hund.
Hiermit wird beim Hund eine Erwartungshaltung beim Geräusch des Clickers erzeugt. Dabei werden die Hunde zunächst auf den Clicker, auch Marker genannt, konditioniert.  Click = Leckerchen. Somit erhält das vorherige neutrale Geräusch eine Bedeutung. Solange nach dem gehörten Geräusch immer ein Belohnung folgt, bleibt die Erwartungshaltung beim Hund “Click = Leckerchen”. Fehlt diese Konsequenz, wird das Geräusch wieder neutralisiert. Der Vorteil des Clicker liegt definitiv darin, das erwünschte Verhalten besser einfangen zu können. Das Zeitfenster, welches dem Hund ermöglicht eine Verknüpfung zwischen seiner Handlung und einer nachfolgenden Konsequenz herzustellen, beträgt teilweise Zehntelsekunden. Bis ich ein Leckerchen rausgekramt habe, weiß der Hund eventuell garnicht mehr, wofür er dieses erhält. Zum anderen kommt das Geräusch des Clickers praktisch nie im gewohnten Alltag vor. Somit nutzt es sich nicht ab. Ein weiterer Vorteil: Der Hund konzentriert sich auf die Aufgabe und nicht auf ein in der Hand gehaltenes Leckerchen. Der “Click” teilt dem Hund mit, dass er etwas richtig gemacht hat, darauf hin kann die richtige Belohnung ruhig etwas zeitversetzt erfolgen. Also, bis man das Leckerchen rausgekramt hat.
Um dem Hund mit Hilfe des Clickers nun verschiedene Dinge beizubringen, müssen wir nun etwas über die operante Konditionierung wissen. Da hat zum Glück der Herr Skinner einiges in Erfahrung gebracht. Siehe hierzu:http://de.wikipedia.org/wiki/Operante_Konditionierung. 
Hier kommen die verschiedenen Verstärkermöglichkeiten ins Spiel. Z. B. die positive Verstärkung. Es wird ein angenehmer Reiz dargeboten, um ein Verhalten aufzubauen. Beispiel: Der Hund setzt sich, er bekommt ein Leckerchen dafür. Somit wird sich der Hund öfter setzen, denn ein Verhalten welches sich lohnt, wird öfter gezeigt.
Wie ihr seht, gibt es viele spannende Dinge zum Thema Hundeerziehung und Verhalten.
Selber machen, macht am meisten Spaß, daher Seminar buchen, und den eigenen Hund “glücklich” Clickern.

Silvesterangst beim Hund

Viele Hundebesitzer denken bereits jetzt mit Schrecken an den baldigen Jahreswechsel.
Er bringt nicht nur eine gemütliche und ausgelassene Feier mit Freunden, ein gutes Essen und lustige Silvesterböllerei gegen Mitternacht.
Für viele bringt es ein schlotterndes Etwas, welches draußen panisch an der Leine zieht, nicht mehr ansprechbar ist und sich am liebsten in Luft auflösen möchte und versucht unter der Couch zu verschwinden.
Einen Hund mit Angst vor Silvester, bzw. dem was dann passiert.
Mal ehrlich, welches kleine Kind hat sich beim ersten Böller seines Lebens nicht auch erschreckt? Ist doch schon eine komische Angewohnheit, Knallerei als lustig zu empfinden. Darauf können doch auch nur wieder wir Zweibeiner kommen.
Es gibt aber auch Hunde, die völlig aus dem Häuschen sind, sobald geknallert wird, und das vor Freude.
Dieses Verhalten sieht man regelmäßig bei gut trainierten Jagdhunden. Diese haben eine ganz andere Verknüpfung mit den Schüssen. Nämlich unglaublich viel Spaß. Endlich dürfen sie ihrer Passion nachgehen. Im Extremfall sind diese Hunde dann sogar Schusshitzig. Das passiert, wenn sie sich zu doll freuen. Wir “Normalhundehalter” kennen das in der Regel nur, wenn wir die Leine zum Gassigehen in die Hand nehmen oder der Futternapf gefüllt wird. Dann wird gehüpft, gejodelt und gebellt, was das Zeug hält, weil man es vor Freude kaum aushalten kann. Auch nicht so toll, aber so funktioniert Konditionierung nun mal. Machen wir uns das Wissen über die Lerntheorie also zu nutzen.
Optimalerweise lernt also unser junger Hund bereits, dass es keinen Grund gibt, sich vor dieser Knallerei zu fürchten. Dafür gibt es Geräusche CD’s, Bücher oder Ihr Trainer leitet Sie in einer Einzelstunde oder während der Welpen- und Junghundgruppe dazu an.
Übrigens ist ein schussfester Junghund kein Garant für eine lebenslange Schussfestigkeit! Denn Lernerfahrungen und Entwicklungsprozesse können auch noch bei “älteren” Hunden zu einer handfesten Angststörung werden.
Zeigt ihr Hund bereits deutliche Anzeichen von Angst bei Knallgeräuschen, heisst es nicht bis zum nächsten Silvester warten, sondern schnellstmögliche einen Trainer aufsuchen, der sich mit der Entstehung und dem Umgang von Ängsten auskennt. Denn überlegen Sie mal, wie lange wir Menschen teilweise in Therapie sind, wenn sich bei uns Panikstörungen manifestiert haben. Jahre! Für ein Training solch eines Hunde ist es dieses Jahr also im November bereits zu spät. Hier heißt es vorerst nur Management. Aber für junge oder unsichere Hunde lohnt sich ein Trainingsstart auf jeden Fall noch. Und Halter von Hunden mit starken Problemen können sich nach geeigneten Maßnahmen für das kommende Silvesterfeuerwerk erkundigen. Und dann ab Januar sofort mit einem gezielten Anti-Angst-Training loslegen. Mehr Informationen, wie Sie verhindern können, dass ihr Hund eine Silvesterangst entwickelt, oder ein bestehendes Problem verbessern können, erfahren Sie z. B. im Themenabend “Silvesterangst” beim Hundezentrum MG.